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Die Musikstadt

Meiningen | Foto: Frank Burkhardt

Eine Reise nach Meiningen eröffnet stets die schönsten Aussichten…"

Der das 1885 an den Meininger Herzog Georg II. schrieb, war kein Geringerer als Johannes Brahms. Doch welche schönsten Aussichten eröffneten sich ihm, der die kleine südthüringische Stadt zwischen 1881 und 1895 immerhin 15mal besucht hat? Da war zuerst die Meininger Hofkapelle mit ihren genialen Dirigenten Hans von Bülow, Richard Strauss und Fritz Steinbach. Bülow und Steinbach wurden mit den Kapellmusikern kongeniale Interpreten seiner Sinfonik und auf Konzertreisen durch Zentraleuropa zu deren Missionaren. "Bülow dürfte doch wissen, dass eine kleinste Probe im kleinsten Meininger Saal mir persönlich wichtiger ist als jedes Pariser und Londoner Concert, und …wie wohl und behaglich mir in Mitten der Capelle ist, darüber könnte ich ein langes, lautes Danklied singen", diese Worte, die Brahms dem Meininger Herzogspaar schrieb, sprechen für sich. 1990 feierte dieses Orchester sein 300jähriges ununterbrochenes Bestehen. Es gehört damit zu den ältesten Klangkörpern Europas. Im Jahre 2006 wurde ihm von der Thüringer Landesregierung der Titel „Meininger Hofkapelle“ verliehen.

Zu den schönsten Aussichten gehörte für Brahms auch die geistig anregende, von starrer Etikette befreite Atmosphäre des Meininger Musenhofes, die von Georg II. (1826-1914) und seiner Gemahlin Freifrau Helene von Heldburg (1839-1923) geprägt wurde. Viele Schauspieler und Schauspielerinnen mit großem Namen wie Kainz und Barney, die Lindner oder Sandrock, der Sänger und Schauspieler Wüllner, der Märchensammler, Historiker und Schriftsteller Ludwig Bechstein, Literaten und Dramatiker wie Fitger, Voß, Ibsen, Björnsen, Rudolf Baumbach, die Regisseure Chronegk und Grube, der bedeutendste Bildhauer jener Zeit Adolf von Hildebrand oder der Naturwissenschaftler Ernst Heckel, Richard und Cosima Wagner, Franz Liszt, Edward Grieg, Max Reger, die Gartengestalter-Familie Buttmann, die Baumeister Döbner, Neumeister, Behlert und Fritze, sie alle waren mit dem Meininger Musenhof verbunden und haben die faszinierende Meininger Kulturgeschichte mit geschrieben. Geht man aufmerksamen Blickes durch die Stadt, begegnet man ihren Spuren auf Schritt und Tritt, nicht nur im ältesten Bau, der Meininger Stadtkirche, nicht nur im 300jährigen Schloss Elisabethenburg mit den Meininger Museen, nicht nur im stolzen Behlert-Bau, dem Meininger Theater, auch an zahlreichen Gedenktafeln in der Innenstadt. Die Präsentation historischer Bühnenprospekte in der ehemaligen Reithalle vermittelt einen nacherlebbaren Eindruck vom Inhalt und der europaweiten Ausstrahlung der von Georg II. geschaffenen Meininger Theaterreform. Zahlreichen Skulpturen und Denkmälern begegnet man in den beiden Meininger Parks. Viele der hier genannten Persönlichkeiten finden sich in der Gästeliste des Romantik-Hotels Sächsischer Hof, dessen Fundamente älter als 200 Jahre sind und dessen heutige Fachwerkarchitektur mit der des gegenüber liegenden Henneberger Hauses ein fränkisch geprägtes Entree zur Innenstadt bildet.

Wenige, dem verheerenden Stadtbrand von 1874 nicht zum Opfer gefallene Fachwerkhäuser sind heute Blickfänge für Besucher. Aber auch die nach 1874 erbauten Gründerzeit-Straßenzüge, die in den Jahren nach der Wiedervereinigung zum großen Teil saniert und restauriert wurden, ziehen mit ihrem Fassadenschmuck die Blicke auf sich. Das geübte Auge findet aber auch mittelalterliche Spuren, wozu die Bleichgräben und Reste der Stadtmauer als ehemalige Befestigungsanlagen gehören. Meiningen ist über 1000 Jahre alt und besitzt seit rund 800 Jahren das Stadtrecht. Die Stadt wurde rund 500 Jahre von den Würzburger Fürstbischöfen und rund 500 Jahre vom Geschlecht der Henneberger regiert und war für beide Herrscher von großer strategischer Bedeutung, weswegen sie dreifach umwehrt wurde. Im Jahre 1680 erhob der Gründer des Herzogsgeschlechtes der Sachsen-Meininger, Herzog Bernhard I., Meiningen zur Residenzstadt. Schon er legte den Grundstein zu einem Musenhof, z. B. mit der Berufung der Musiker Georg Caspar Schürmann und Johann Ludwig Bach.

Zu den schönsten Aussichten, die Brahms immer wieder nach Meiningen zogen, gehörte keineswegs zuletzt die Landschaft, das Werratal, in das die Stadt eingebettet liegt. Die bewaldeten Hügel, die Brahms, zumeist vor dem Frühstück im Schloss, durchwanderte, waren für ihn Inspirationsquell. Auch heute sind die Besucher unserer Stadt von der Natur und Kultur beeindruckt, die hier ein enges Bündnis eingehen. Die Gäste kommen nicht mehr nur mit der Bahn, sondern per Auto oder Bus, zu Fuß, per Fahrrad oder Boot, um die ganz besondere Atmosphäre dieser Stadt zu spüren und zu erleben. Auch Martin Walser hat, als er sich jüngst zur Uraufführung seines Stückes „Ein liebender Mann“ in Meiningen aufhielt, von diesem Flair gesprochen, das er einen Erlebnisreiz nannte, und sagte, ich wäre sehr froh, wenn ich an der heutigen Lebensdeutlichkeit dieser Stadt ein kleines Stück mitwirken könnte.


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